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Schlankheitskur für Windows XP kann gefährliche Nebenwirkungen haben
München (dpa/gms) - Abspecken, Entschlacken, in Form bringen - das klingt gut. Windows XP ist ein Multifunktionssystem, das für eine vielseitige Verwendung konzipiert wurde. Es macht den PC zur Schreibmaschine, zum Spielautomaten oder gar zu einer Videoschnittmaschine. Nicht immer brauchen alle Anwender alle Anwendungen. Da liegt der Wunsch nahe, Unbenutztes wie Ballast über Bord zu werfen. Dabei ist allerdings eine gewisse Vorsicht angesagt. Es gibt verschiedene Aspekte des Abspeckens, erklärt Hermann Apfelböck von der in München erscheinenden Zeitschrift «PC-Welt». Man kann Programme und Dateien löschen oder deaktivieren, zum Beispiel um Platz auf der Festplatte zu schaffen. Weitere Ziele können sein, den Arbeitsspeicher nicht durch unnötige Prozesse zu belasten oder den Überblick auf seinem Rechner zu wahren. Das Betriebssystem selbst belegt heute nur noch einen kleinen Teil der Festplatte. Axel Vahldiek von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift «c't» hält daher nicht viel von Schlankheitskuren fürs Betriebssystem: «Eigentlich sollte man es sein lassen, es bringt keinen Platz.» Ein PC vom Discounter ist heute bereits oft mit einer Festplatte von 250 Gigabyte oder mehr versehen. Da stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis, wenn für ein paar Megabyte ins System eingegriffen wird. «Das spielt sich im Promillebereich ab», sagt Vahldiek. Das Problem mit den Schlankheitskuren fürs Betriebssystem sei zudem, dass der Laie selten weiß, wo das Abnehmen ungefährlich ist und wo nicht, so Vahldiek. Womöglich würden Funktionen gelöscht, die später noch benötigt werden. Hinzu kommen die unübersichtlichen Abhängigkeiten verschiedener Programme: «So ist ein korrekt funktionierender Internet Explorer beispielsweise Voraussetzung für die Nutzung von Media Player oder Movie Maker.» Wenn auf der Festplatte wirklich Platz geschafft werden muss, hält es Vahldiek für sinnvoller, zum Beispiel Videos, die man sich nicht mehr ansieht, zu löschen. Außerdem würde er den automatischen Start von Programmen beim Hochfahren des Rechners unterbinden. Dazu ruft man das Programm «msconfig» auf. Unter Autostart kann der Nutzer dann festlegen, welche Programme automatisch gestartet werden sollen und welche nicht. Das schafft zwar keinen Platz, bringt aber mehr Tempo. Nur zwei Arten von Programmen sollten stets automatisch starten: Virenscanner und Firewalls. Beim Windows-Hersteller Microsoft hält man ebenfalls wenig von der Bastelei am System: «Aber natürlich lässt Windows XP gewisse Veränderungen zu», sagt Sprecherin Irene Nadler in Unterschleißheim. Von manchen Dingen rät das Unternehmen jedoch ab. An die so genannte Registry sollten sich Laien nicht heranwagen. «Das ist etwas für IT-Profis.» «Finger weg auch von den Treibern», warnt Apfelböck von der «PC-Welt». Das gilt auch für die so genannten Dienste. Sie sollten ebenfalls nur von erfahrenen Anwendern angefasst werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Die «Indexdienste» von Windows lassen sich laut Apfelböck problemlos über die «Systemsteuerung» deaktivieren. Eingriffe über die «Systemsteuerung» seien in der Regel problemlos, weil sie sich auch leicht wieder rückgängig machen lassen. Sinnvoll ist es auch, regelmäßig die Liste der installierten Software durchzugehen - und auszusortieren. Spiele zum Beispiel benötigen meist viel Speicherplatz. Werden sie nicht genutzt, können sie genauso gut gelöscht werden. Eine echte Bremse für das System sind Temporäre Dateien, die der Internet Explorer anlegt. Sie sollten regelmäßig gelöscht werden. Windows legt bei seinen System-Updates Backup-Dateien an. Wenn seit dem letzten Update alles läuft, können diese Dateien ebenfalls gelöscht werden, empfiehlt Apfelböck. Zu erkennen sind sie am voran gestellten Dollar-Symbol. Windows XP besitzt eine Wiederherstellungsfunktion. Damit der Nutzer das System in den Zustand zurückversetzen kann, den es zu einem bestimmten Zeitpunkt gehabt hat, macht das Betriebssystem regelmäßig Sicherungskopien - ohne jedoch die vorherigen zu löschen. Die entsprechende Option zum Löschen alter, nicht benötigter Wiederherstellungspunkte, finden Anwender unter dem Punkt Datenträgerbereinigung. Dass das Herumbasteln am Betriebssystem bei vielen Anwendern offenbar beliebt ist, hat laut Vahldiek «historische Gründe». Frühere Windows-Systeme ließen sich durch verschiedene Tricks tatsächlich noch in ihrer Leistung steigern. Das sei heute nicht mehr so: «Es gibt keinen Turboschalter.» |